HABEN SIE EIN STöRGEFüHL?
Ein kleiner Test verrät, ob wir zur Entspanntheit noch in der Lage sind oder die Welt komplett aus den Fugen geraten ist.
Das Schwarze sind die Buchstaben – können wir uns darauf einigen? Herrscht Konsens oder gibt es da ein Störgefühl?
Könnte ja sein, dass dieser Aussage etwas Missverständliches zu Grunde liegt, der Satz vielleicht eine gesellschaftspolitische Komponente hat, dass sich dahinter eine Meinung verbirgt, die es zu widerlegen gilt, eine spezifische Geisteshaltung, der man auf die Spur kommen könnte, oder eine problematische, extremistische Gesinnung, die entschieden zurückgewiesen werden muss.
Das Schwarze sind die Buchstaben.
Wer sagt schon, dass dieser vom 1909 geborenen deutschen Kabarettisten Heinz Erhardt formulierte Satz (der gleichzeitig als Titel eines genialen Büchleins von ihm fungiert) so harmlos ist, wie er klingt? Er könnte Ungereimtheiten enthalten oder diskriminierend anmuten, Menschen verunsichern, verletzen, triggern oder vor den Kopf stossen. Die Gesellschaft spalten!
Warum überhaupt schwarz? Warum nicht weiss oder grün oder lila? Warum dieses Stereotype, Ausschliessende, Postkoloniale gar? Im Ernst jetzt: Hat diese banal anmutende Aussage nicht beinahe etwas Provokatives? Subversives? Was zum Teufel wollte uns Erhardt damit sagen? Steckt da wirklich nicht mehr dahinter? Vielleicht eine indirekte Kritik, dass Menschen nicht mehr in der Lage sind, Buchstaben zu erkennen, zu deuten und deren Sinnhaftigkeit zu erfassen? Ist dieser Satz gar eine handfeste Beschimpfung des leseunkundigen Publikums? Oder ist der Satz Philosophie? Poesie?
Sämtliche Sprachexpertinnen und -experten, die zur Klärung der hier aufgeworfenen Fragen angeschrieben wurden, waren sich einig und beschieden mir: Nein. Der Satz:
Das Schwarze sind die Buchstaben.
…enthalte keinerlei Unterstellungen, böse Absicht, Inkonsistenz, Subtext. Die Aussage lasse auch nicht unterschiedliche Interpretationen oder Narrative zu, sondern heisse schlicht und einfach nichts anderes, als:
Das Schwarze sind die Buchstaben.
Gut so! Mit dieser Gewissheit kann man sich wiederum mit viel Hingabe eben diesen Buchstaben widmen und schauen, was sich damit Hochobskures, Tiefgründiges, Unterhaltsames, Kreatives, Informatives, Anregendes, Aufregendes anstellen lässt.