PUBLIKATION

Hochbauamt Kanton Zug
 

TEXT

Sabine Windlin

DATUM

1.6.2011

EIN GARTEN ALS VERMITTLER

 

Das bisher wenig attraktive Areal zwischen Studien- und Leihbibliothek soll zu einer grünen und vielseitig nutzbaren Begegnungszone für die ganze Bevölkerung werden.

 

An optimaler Lage, gut eingebettet zwischen Bibliothek, Zeughaus, Pulverturm und St. Oswaldskirche, hatten die Grünflächen auf diesem Areal schon länger den Nimbus eines raumplanerischen Sorgenkinds. Fachleute, aber auch die  Öffentlichkeit konnten mit dem Gelände wenig anfangen und liessen es, vom Casino her Richtung St. Michael kommend, buchstäblich links liegen. Bis Ende des 19. Jahrhunderts als Turn- und Exerzierplatz noch rege genutzt, erfuhr das zerstückelte Areal in den späten 1970-er Jahre eine veritable Abwertung und fristete, so die treffende Einschätzung des kantonalen Hochbauamtes, «ein undefiniertes Dasein am Rande der äusseren Altstadt.»

 

Nichts lag folglich näher, als mit dem Entscheid zur Errichtung der Studienbibliothek im Sockelgeschoss des Zeughauses auch die Umgebung neu zu gestalten. Zuständig für diese herausfordernde Arbeit ist eine Planergemeinschaft aus Zürich, die sich aus den beiden Firmen Planetage GmbH und Planwirtschaft zusammensetzt. Dieses Team hat im Sommer 2011 seinem Projekt «oben_unten» den entsprechenden Wettbewerb für sich entschieden und wird nun mit den Subplanern Ramser Schmid Architekten die komplexen topografischen Verhältnisse mit einem massgeschneiderten  Passstück auffangen. Präsentiert wird eine gestalterisch hochwertige, in Betrieb und Unterhalt einfache und günstige Lösung, die, so Stadtarchitekt Beat Aeberhard, ortsbezogen und eigenständig zugleich sei. Zudem lässt das Projekt wohltuende Spielräume für vielfältige Nutzungen offen und strahlt eine Grosszügigkeit aus, die dennoch Wohlbehagen stiftet. Im Sommer 2011 soll das Siegerprojekt der Regierung, und anschliessend dem Kantonsrat vorgelegt werden. Der Entscheid zum Objektkredit von rund 3,5 Millionen ist im März 2012 zu erwarten.

 

Dies ist geplant: Die obere Ebene wird ein offener Stadtgarten mit Wassergarten, Rasenintarsien, grosszügigen Sitzgelegenheiten und Schattendach. Die untere Ebene ist weitgehend freigespielt, bietet eine wohltuende Übersichtlichkeit und wird lediglich von dezenten Vegetationselementen entlang der Verbindungsachse Zugerbergstrasse / Kirchenstrasse geprägt, die die Spazierwege bereichern. Der Baukörper der Parkgarage wird teilweise freigelegt und durch eine neue Flügelmauer räumlich akzentuiert, ihre Kante verkleidet und mit einer Struktur aus feinen, vertikalen Holzlamellen überformt. Diese Lamellenstruktur prägt auch den Holzpavillon auf der oberen Ebene, in welchem die Liftbauten integriert sind. Das Projekt arrangiert sich geschickt mit dem diffizilen Höhenregime, das auf diesem Areal herrscht. «Durch das Herausschälen der Hangkante und die Angliederung von Aufenthaltsmöglichkeiten», erklärt Projektverfasserin Marceline Hauri, «wird die topographische Differenz nicht mehr als überhöhte Trennung zwischen oberer und unterer Ebene wahrgenommen, sondern schiebt sich künftig als Vermittler zwischen die beiden Ebenen. » Durch die Neugestaltung der Parkhauseinfahrt gelingt es zudem, die St. Owaldsgasse besser an den Stadtpark anzubinden. Die 33 Parkplätze vor dem Zeughaus werden – bis auf einen Behindertenparkplatz und einen für Güterumschlag – eliminiert. Die Baumreihen entlang der Zugerbergstrasse (Winterlinden und Kastanien) sowie die Platanen bei der Parkhausein- und ausfahrt bleiben erhalten. Erstere sind im Verzeichnis der schützenswerten Naturobjekte der Stadt Zug aufgeführt.

 

Wenn es auch nur rund 4000 Quadratmeter sind, die von der Neugestaltung betroffen sind, so dürfte diesem Areal in Zukunft doch eine hohe Bedeutung zukommen. Als Verbindungsglied zwischen Leih- und Studienbibliothek darf mit einem regen Passantenverkehr durch die Grünanlage gerechnet werden, wo das Spazieren, Studieren, Lesen, Flirten und Picknicken genauso erwünscht ist, wie das blosse Verweilen.