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KIND JA, MANN VIELLEICHT

 

Die Gesellschaft geht davon aus, dass es Alleinerziehenden mies geht. Dies ist aber nicht immer der Fall. 15 Gründe warum es nicht nur schlecht ist, alleinerziehend zu sein.

 

von Sabine Windlin

 

Frustriert, überfordert, arm. Auf den ersten Blick besteht kein Anlass, am Stereotyp über Alleinerziehende zu zweifeln. Und wer hat schon Zeit für einen zweiten? Was, wenn dabei herauskäme, dass es in der Schweiz nicht nur eine wachsende Anzahl Alleinerziehender (rund 180’000), sondern –Skandal! Skandal! –  eine zunehmende Anzahl glücklicher Singlemütter und -väter gibt? Was, wenn sich zeigen würde, dass dieses von der intakten Kleinfamilie (2 plus 2) stets als bemitleidenswert apostrophierte Dasein in Tat und Wahrheit gar nicht so übel ist?  Wissenschaftliche Studien über den emotionalen Haushalt von Alleinerziehenden existieren zwar bislang noch nicht, aber ein erdrückend langes Argumentarium, das aufzeigt, wie viele Vorteile dieser Status haben kann. Er ist, wenn nicht explizit anzustreben, so durchaus lebbar.


Erziehung: das Heft in der Hand
Man kann, wie die Bezeichnung sagt, im eigenen Haushalt alleine erziehen. Hat das Heft in der Hand, muss weniger koordinieren, kann sein Ding durchziehen und muss nicht ständig mit dem Partner aushandeln, welcher Erziehungsstil nun gilt.

Integration: Kinder nicht stigmatisiert
Scheidungskinder sind heute, im Gegensatz zu früher, in der Schule keine Aussenseiter mehr. Mit einer Scheidungsrate von über 50 % ist man als Scheidungskind nicht mehr stigmatisiert, sondern in guter Gesellschaft mit vielen Gleichaltrigen.

Gesellschaft: Gefragt auf dem Beziehungsmarkt
Als Singlemutter ist man extrem gefragt auf dem Beziehungsmarkt. Denn man braucht, im Gegensatz zur gleichaltrigen kinderlosen Frau, keinen Erzeuger mehr, ist eine «femme libérée», unverkrampft und offen für Neues.

Schule: locker im Gespräch
Ob am Elternabend, Krippenspiel, Osterbasteln oder sonst einer anderen Veranstaltung, zu der die Schule einlädt: Singlemütter besuchen diese Veranstaltungen meist alleine, lernen dadurch einfacher andere Leute kennen und kommen locker ins Gespräch mit ihnen.

Arbeit: Antrieb zu Höchstleistungen
Je früher die Beziehung fertig ist, desto eher steht man auch finanziell wieder auf eigenen Beinen. Weil man muss. Das Wissen um die Notwendigkeit, den Lebensunterhalt verdienen zu müssen, treibt Alleinerziehende beruflich zu Höchstleistungen an und sorgt dafür, dass man nicht in der finanziellen Hängematte eindöst.

Anerkennung: des Lobes voll
Den Respekt und die Anerkennung, die Alleinerziehende in der Gesellschaft geniessen, ist immens und dies zu recht:  Sie bringen tagtäglich das Kunststück fertig, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. «Wow, Du machst das aber super!», «Toll, wie du das meisterst!» heisst das Loblied, das man ständig hört, und das das Ego der Betroffenen stärkt.

Wohnen: Angebote noch und noch
Bei der Wohnungssuche können Alleinerziehende entweder auf den Sympathie- oder den Mitleidbonus zählen. «Junge Mutter mit Kind sucht... » da kann einfach niemand nein sagen. Zudem rangieren sie bei Genossenschaftswohnung zuoberst auf der Warteliste und werden automatisch berücksichtigt, sobald eine günstige Wohnung frei wird.

Sex: Ab in die Kiste!
Dass im Bett junger Eltern-Ehepaare nichts mehr läuft, ist ein offenes Geheimnis und irgendwie auch logisch. Anders gestaltet sich das Sexleben von Alleinerziehenden.  Ein phantasievoller Liebhaber oder ein fester Freund, verwöhnt die alleinerziehende Mutter nach allen Regeln der Kunst. Sie hat es verdient und wird sich garantiert revanchieren.

Wochenende: zur freien Verfügung
Als Alleinerziehende profitiert man, vorausgesetzt der andere Elternteil beteiligt sich am Familienleben, regelmässig von freien Wochenenden. Da kann bei Elternpaaren, die immer zusammenkleben, schon mal Neid aufkommen. Wandern mit Freundinnen, Tanzen bis zum Morgengrauen oder einfach nur relaxen und ein Buch lesen... Nach 48 kinderfreien Stunden ist man aufgetankt  und voller Freude für das Wiedersehen mit den Kindern.

Der Alte: gute Beziehung zum Ex
Vernünftige Eltern, die sich getrennt haben,  begraben irgendwann einmal das Kriegsbeil. Experten sagen, dass es rund fünf Jahre braucht, bis sich die Situation normalisiert, die Zeit von Tränen, Schmerz und Wut überstanden ist. Irgendwann hat man sich gegenseitig nämlich alle Gemeinheiten an den Kopf geworfen und die Chance, dass man sich mit dem Ex wieder richtig gut verträgt, ist gross.

Der Neue: Ein Freund fürs Leben
Irgendwann will jede Singlemutter wieder in feste Hände. Wer sich Zeit lässt – und das kann die Singlemutter, das sie ja  keinen Erzeuger mehr suchen muss – hat gute Chancen, unverhofft ihrem Traummann zu begegnen. Warum immer die alte Beziehung in die Brüche ging: man hat daraus gelernt und geht geläutert aus der Situation hervor.

Kinder: unkompliziert und selbständig
Kinder von Alleinziehenden sind oft viel selbständiger und flexibler, auch reifer und hilfsbereiter. Sie packen zum Beispiel im Haushalt mit an, weil sie sehen, dass sie Mutter, die den ganzen Laden schmeisst und sich enorm über die Hilfe freut. Zudem sind sie nicht so sehr auf die Eltern fixiert und gehen offen auf andere zu.

Krippe/Hort: Ein Platz auf sicher
Alleinerziehende finden garantiert einen Krippenplatz. Denn als Beruftätige ist man darauf angewiesen, will man nicht als Sozialfall enden. Der Platz kostet dann meistens ganz wenig, da für die Berechnung des Elterntarifs statt das Einkommen von Mama und Papa nur noch dasjenige der Mutter plus die Alimente des Vaters zählen.

Alltag: Action statt Langeweile
Der Alltag von Alleinerziehenden ist generell viel abwechslungsreicher. Kinder, Job, Haushalt, Freunde Freizeit. Da kommt keine Langeweile auf. Klar, manchmal ist es ein Megastress, und man sinkt abends tot müde ins Bett. Dafür ist mehr Platz für Spontaneität im Freundeskreis und es ergeben sich reizvolle Kombinationen mit anderen Singles.

Verwandschaft: bleibende Bande
Wichtig ist, nicht nur zum Vater, sondern zur ganzen Familie vaterseits einen guten Kontakt zu pflegen. Egal, ob Ex-Schwiegereltern, Ex-Schwager oder Ex-Schwägerin: die Tanten, Onkel und Grosseltern am Familienleben teilhaben lassen. Sie werden der verlorenen Schwiegertochter auf immer dankbar sein.