Kolumnen

 

 

AL-HABDAL-RAMADAN & CO.

 

Amt für Orientalisches

 

von Sabine Windlin

 

Zum Aufwärmen erst mal eine Dehnungsübung: In aller Stille ist am Mittwoch Adel az-Zubaidi, der irakische Verteidiger von Saddam Husseins Halbbruder Barzan Ibrahim Hassan und von Ex-Vizepräsident Taher Yassin Ramadan, beigesetzt worden. Er wurde auf offener Strasse erschossen. Jetzt das Ganze rückwärts: Auf offener Strasse wurde der irakische Verteidiger von Saddam Husseins Halbbruder Barzan Ibrahim Hassan und von Ex-Vize Taher Yassin Ramadan, Adel az-Zubaidi, erschossen. Er ist am Mittwoch in aller Stille beigesetzt worden.

 

Wer im Stande ist, die eine oder andere Meldung fehlerfrei zu wiederholen, ist entweder ein Insider des irakischen Sondertribunals, das gegenwärtig die Verbrechen des Baath-Regimes untersucht, oder er verfügt über eine kongeniale linke Hirnhälfte, die für die Verarbeitung und Erfassung von (fremden)Sprachen zuständig ist. Die meisten durchaus gebildeten Zeitungsleser jedoch geraten bei der Lektüre derartiger Meldungen ins Rotieren. Die Nahostberichterstattung mit ihren zahlreichen Protagonisten stellt uns tagtäglich vor eine immense Herausforderung, und sei es nur jene, sich die Staatschefs der wichtigsten Länder im Morgenland einigermassen merken zu können.

 

Mubarak? Easy, Ägyptens Präsident. Karzai? Geht auch klar, Afghanistan. Ahmadinejad? Logo, Iran. Der Wirrkopf macht ja ständig Schlagzeilen. Sobald die Mächtigen der Welt aber beispielsweise ihre Herren Ministerkandidaten Farshidi, Kazemi und Ardakani präsentieren, sind wir hoffnungslos überfordert. Die Zeitungsseiten und ihre vielen, kleinen, schwarzen, Buchstaben, vor die wir hinstieren, strahlen dann etwas Forderndes, ja Bedrohliches aus - Khomeini, Khatami und Khamenei. Das ist nicht Hans was Heiri. Wir unternehmen wirklich einen Effort, das weltpolitische Geschehen, wenn nicht zu begreifen, so doch wenigstens in diskussionsfreudiger Runde klug kommentieren zu können. Aber kaum sind wir mit dem Regierungschef aus Libyen, Jemen und Oman medial vertraut, setzen diese garantiert Neuwahlen an und die ganze Übung beginnt wieder von vorn. Das Gesicht der interessierten Zeitgenossin verrät nichts als seelische Not und Ohnmacht, sobald die Nachrichten-Moderatoren die orientalischen Namen wie Wortsalven  abfeuern und ihr um die unschuldigen Ohren hauen: Khalifa Sheik Salman Bin Ibrahim, Mohammed bin Rashid Al Maktum, Burhanuddin Rabbani, Yunus Qanuni.

 

Beim ersten – Sie erinnern sich! – handelt es sich um den Scheich von Bahrein, der auch irgendwie bei der FIFA mitmischelt. Beim zweiten um den neuen Herrscher von Dubai, der sich für 10,2 Millionen Dollar einen Pferdevollblüter ersteigerte. Die letzten beiden - zwei tadschikische Politiker aus Afghanistan – dürfen Sie sich schenken. Aber wie hiess schon wieder der Herr, der am Mittwoch in aller Stille beigesetzt wurde?