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FRAUEN MIT RATTENSCHWäNZEN

 

 

von Sabine Windlin

 

Wir wissen ihn zu schätzen, den Einsatz aller Politikerinnen, die derzeit für einen Mutterschaftsurlaub werben: Marianne Dürst-Kundert (FDP), Judith Renner-Bach (SVP), Ida Glanzmann-Hunkeler (CVP), Maria Roth-Bernasconi (SP). Die Liste könnte locker ergänzt werden, doch leider fehlt der Platz, da die Doppel-, und Allianznamen in den Printmedien eine weit verbreitete und nicht mehr hinzunehmende Unsitte geworden sind.

 

Sechzehn Jahre nach Inkrafttreten des neuen Ehe- und somit Namensrechts (1988) pochen nicht wenige verheiratete Frauen mit geradezu missionarischem Eifer auf die komplette Nennung ihres Familiennamens und ihres Mädchennamens. Nicht nur im Pass - wo es Sinn macht – sollen sie Erwähnung finden, sondern am Briefkasten, in der Email-Adresse, auf dem Telefonbeantworter, der Kumuluskarte. Aber wozu haben wir denn die Wahl? Damit wir eben wählen können bei der Eheschliessung, ob wir lieber Müller bleiben oder neu Meier heissen. Die abgewählte Ex-Magistratin war dem Lande vier Jahre lang als Ruth Metzler bekannt, jetzt, als Buchautorin, nennt sie sich plötzlich Metzler-Arnold.

 

Gut, ein Name ist identitätsstiftend, macht einen Menschen innerhalb der Gesellschaft erst fassbar. Aber warum so kompliziert? Birgitta Dirlewanger-Enzmann, Klara Spiesser-Hunkeler: Euch allen sei gesagt: Es wirkt forciert, trotzig, lächerlich. Grad so, als wolltet ihr sagen: Zwar habe ich mich dem Joch der Ehe gebeugt, aber an meinem Namen halte ich fest. Wenn er Euch so wichtig ist, dann behält ihn doch um Himmels willen und stellt ihn da hin, wo er hingehört: nach vorne. (Frauen die vor 1988 geheiratet haben, können ein entsprechendes Gesuch stellen).

 

In Deutschland hat der rhetorische Spleen mit den Allianznamen groteske Formen angenommen, und wir lesen zunehmend atemlos von Politikerinnen, die allein ihres langen Namens wegen mehrere Zeitungszeilen reklamieren: Corinna Werwigk-Hertneck (23 Zeichen), Christel Riemann-Hanewinckel (27 Zeichen) Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (32 Zeichen). Für Micheline Calmy mag es wichtig sein, dass sie einmal Rey geheissen hat. Uns interessiert es nicht. Aber selbst Frauen, die ihren Namen nach der Eheschliessung behalten, sind vom Drang beseelt, den Gatten im Schlepptau zu ziehen und nennen sich wie die beiden Berner Nationalrätinnen ganz ohne Not Martine Brunschwig Graf oder Margret Kiener Nellen. Warum?

 

Das bizarre Bedürfnis der Frauen, ihren Namen aufzublasen, ist kopfschüttelnd zur Kenntnis zu nehmen. Dass aber wohlwollende Journalisten diesen abgehobenen Schwachsinn auch noch mitmachen, gibt zu denken. Es ist eine Frage der Zeit, bis auch Ehemänner ihrem Vornamen einen Rattenschwanz an Nachnamen folgen lassen. Wenn eines Tages ein Bundesrat Hans Joachim Michael Leutenegger Rechsteiner gewählt wird, denken wir wehmütig zurück an die akustisch griffigen Adolf Ogi und Otto Stich und besinnen uns: In der Kürze liegt die Würze.