Berichte

 

 

STOISCH RUHENDER ZIELTURM

 

Projekttext für den Webauftritt der Schärli Architekten AG, Luzern

 

von Sabine Windlin

 

Bahnpendlern auf der Strecke Luzern – Zürich oder Spaziergängern im Naherholungsgebiet dürfte sie schon aufgefallen sein: Die geheimnisvolle Holzbaute, die im oberen Teil des Rotsees aus dem Wasser ragt. Eingeweihte wissen, dass der wie ein Kunstwerk in Erscheinung tretende Kubus eine handfeste Funktion hat: Es handelt sich um den Zielturm der Ruderregatta, die seit 1933 stattfindet und zu den wichtigsten Innerschweizer Sportanlässen gehört. Idee und Umsetzung der Baute stammen vom Zürcher Architekturbüro Andreas Fuhrimann und Gabrielle Hächler, das den Wettbewerb gewonnen hat. Die Schärli Architekten AG zeichnete verantwortlich für die Gesamtleitung, das Projektmanagement und die Bauökonomie. Gearbeitet wurde im Auftrag des Vereins Naturarena Rotsee.


Vorfabrikate ermöglichten eine kostengünstige Realisierung mit Kosten in der Höhe von 1,3 Millionen Franken. Die Bauzeit betrug nur gerade sechs Monate. Zentral bei diesem Auftrag war für die Involvierten die Thematik «Bauen im See». Berücksichtigt werden bei den Arbeitsprozessen musste aber auch, dass sich das zu realisierende Objekt in einem der schönsten und wichtigsten Naturschutzgebiete des Kantons Luzern befindet. Eingebettet in eine durch Riede und Moore gekennzeichnete Naturarena, ist der Rotsee Stätte einer reichen Pflanzenwelt, zu der Schilfe, Seerosen und weitere zum Teil seltene Pflanzenarten zählen. Viele Vogelarten nutzen die geschützte Lage am Rotsee zum Brüten. Diese speziellen Rahmenbedingungen und auch die relativ engen Platzverhältnisse mussten fortlaufend berücksichtigt werden und beeinflussten Abläufe im Bereich Logistik und Transport.


Entstanden ist ein Kubus, der aus drei gestapelten, leicht verrückten Raumeinheiten besteht und das Landschaftsbild skulptural bereichert. Ein speziell behandeltes Kiefernholz aus nachhaltig beforsteten Wäldern bildet die Fassadenschalung. Augenfällig an der so genannten «Accoya»-Fassade sind die beweglichen Holzläden, die entweder hochgeklappt oder zur Seite geschoben werden können. Ins untere Geschoss gelangt man via Betonsteg und von da über eine aussenliegende Betontreppe in die erste Etage. Innenliegend führt diese Treppe weiter in den obersten Raum. So können alle Akteure unabhängig voneinander und trotzdem auf engstem Raum agieren und kooperieren: Das Erdgeschoss wird vom Regatta-OK genutzt, im ersten Stock arbeiten Jury und Zeitmesser, und ganz oben haben Eventregie und Sprecher ihre Arbeitsplätze. Die Nutzfläche beträgt insgesamt nur 120 Quadratmeter. Während der Boden im Erdgeschoss als geschliffene Betonoberfläche daherkommt, wurde er in den oberen Geschossen mit einer Zementschicht belegt. Insgesamt 20 Fenster bieten beste Sicht auf die Rennstrecke.

 

Seinen Hauptauftritt hat der Turm im Juli, wenn die weltbesten Ruderer pfeilschnell über den 2,5 Kilometer langen und 250 Meter breiten See gleiten. Die restliche Zeit steht der Zielturm stoisch ruhend im See und präsentiert sich in ihm spiegelnd als kraftvolle Landmarke.