Broschüren

 

 

BAUDOKU SCHULRAUMPROVISORIUM

 

Das Schulraumprovisorium an der Kantonsschule Zug strahlt Behaglichkeit aus und passt gut zum bestehenden Ensemble.

 

Dass die steigenden Schülerzahlen auf dem Areal der Kantonsschule Zug früher oder später zu einem Engpass führen würden, zeichnete sich schon länger ab. Ab 2008 war eine vernünftige Stundenplangestaltung für die vielen Klassen schlicht nicht mehr möglich und es mussten externe Räume hinzugemietet werden. Weil ein drittes Langzeitgymnasiums im Kanton Zug aber voraussichtlich erst 2026 realisiert wird, hat man sich schliesslich für ein Provisorium entschieden. Als Standort bot sich der relativ grosszügige Parkplatz am nordwestlichen Rand der Schulanlage an, wo 25 Autoplätze weichen mussten; aus Sicht der Schule eine vertretbare Reduktion.

 

Ziemlich unauffällig präsentiert sich am Lüssiweg nun der hellgraue Holzbau aus Weisstanne mit drei Vollgeschossen. Realisiert wurde er innert Rekordzeit. Dank in der Zimmerei vorfabrizierter Holzbauelemente stand der Rohbau innerhalb von nur drei Wochen. Das Raumprogramm umfasst 14 Schulzimmer und 3 Mehrklassenzimmer sowie 2 Gruppenräume und ein Lehrerzimmer. An den Enden des mittigen Korridors finden sich jeweils zusätzliche Arbeitsplätze für Schülerinnen und Schüler. Die Grundfläche misst 41 x 23 Meter.

 

Das primäre Tragwerk basiert auf vier Achsen, bestehend aus den Längsaussenwänden und den Korridorwänden. Quer dazu sind die Decken- bzw. Dachelemente aufgelagert. Sie sind als Hohlkastenträger und die Aussenwände als gedämmte Holzelemente vorgefertigt. Die tragenden und aussteifenden Innenwände bestehen aus Brettsperrholzplatten, die restlichen Innenwände aus beplankten Holzständerkonstruktionen. Die Fassaden sind ebenfalls in Holz gefertigt. Die verwendete Weisstanne ist mit einer gräulichen Vorverwitterungslasur behandelt. Die Fensterbänder sind mit farblos eloxiertem, leicht geschliffenem Aluminium verkleidet.

 

Diskret versorgt ist in den Seitenwänden der Korridore die Abfallentsorgung samt Recyclingsystem und in den Decken finden sich die gesamte Elektrotechnik und Interneterschliessung. Alle Schulzimmer sind zudem mit einem eigenen Accesspoint ausgestattet. Schliesslich versorgen  eingelassene Bodenkanäle alle Arbeitsplätze mit Strom. Der individualisierte und digitalisierte Unterricht, dem sich die «Kanti» in bestimmten Fächern verschrieben hat, ist somit auch in diesem Schulhaus möglich.

 

Die Federführung des Baus lag bei der Wiederkehr Krummenacher Architekten AG, also jenem Büro, das (damals noch unter dem Namen Hafner und Wiederkehr) bereits 1975 für die Realisierung der Gesamtanlage verantwortlich zeichnete. Damit ist gewährleistet, dass die unverwechselbare architektonische Handschrift des renommierten Zuger Architektenduos über das ganze Areal hinweg lesbar bleibt und die im Geiste der Moderne erstellten Bauten einen einheitlichen Charakter aufweisen. Wohlweislich hat die kantonale Denkmalkommission die Ursprungsbauten der «Kanti» ins Inventar der schützenswerten Bauten aufgenommen und somit als wichtige bauhistorische Zeitzeugen anerkannt. Ein qualitativ minderwertiges Provisorium in unmittelbarer Nachbarschaft zu den ausgezeichneten Bauten wäre dem Gütesiegel zuwider gelaufen. Zudem: Dank dem Neubau können nun nicht nur die hohen Schülerzahlen abgefangen werden, sondern stehen auch Ausweichmöglichkeiten parat, wenn dereinst die bestehende Schulanlage aus den 1970-er Jahren saniert werden muss.

 

Doch was hat es eigentlich mit den farbigen Mustern auf dem Linoleum auf sich, die sich von den Korridoren her in sämtliche Schulzimmer hinein ziehen? Um diesem Rätsel auf die Spur zu kommen, muss man die Flächen als Ganzes erfassen und in Gedanken alle Trennwände auflösen. Tatsächlich! Da breiten sich am Boden riesige Buchstaben aus, die ein Wort ergeben, einen Satz und vor allem einen Sinn: Im ersten Stock heisst es «ICH», im zweiten Stock folgt das «BIN» und im dritten das «GUT»: ICH BIN GUT! Die Idee zum ebenso dekorativen wie motivierenden Leitspruch stammt von der Künstlerin Monika Kiss Horvath. Wünschenswert wäre, dass er sich positiv auf alle Schülerinnen und Schüler auswirkt, die hier tagein tagaus ihre Hirnzellen aktivieren. Fest jedenfalls steht nach einem Jahr Schulbetrieb: der Pavillon ist bei der Schüler- und Lehrerschaft äusserst beliebt. Das Klima darin, so das Echo, sei hell und behaglich, man halte sich gerne hier auf.