Berichte

 

 

EINLADENDER KUBUS

 

Der Neubau des Amts für Verbraucherschutz (AVS) steht für Wirtschaftlichkeit, Kompaktheit und Eleganz.

 

von Sabine Windlin

 

Anstoss für den Neubau gab eine Reorganisation des im Jahre 2009 gegründeten Amtes. Sie bezweckte die Zusammenführung sämtlicher im Amt erbrachten Dienstleistungen an einem Ort. Weil an der Zugerstrasse 50 in Steinhausen ein kantonseigenes Grundstück von rund 4000 Quadratmetern zur Verfügung stand, lag der Standort für den zu realisierenden Neubau auf der Hand. Seit April 2017 agieren hier nun Veterinärwesen und Lebensmittelkontrolle unter einem Dach. Die Vorteile liegen auf der Hand: Stärkung des Amtsverständnisses, Optimierung von Betriebsabläufen, Erhöhung der Kundenfreundlichkeit.

 

Herzstück des Gebäudes ist ein grosszügig konzipiertes Atrium. Dieses betont den öffentlichen Charakter des Gebäudes, dient als Begegnungszone und kann je nach Bedarf auch als Ausstellungs- oder Veranstaltungsfläche genutzt werden. Wer nun glaubt, dadurch würde unnötig wertvoller, da nicht permanent genutzter Raum verschwendet, sieht sich getäuscht. Denn gerade das Konzept des Kubus‘ mit seiner Grundfläche von 30 mal 30 Metern erlaubt, dass die Verkehrsfläche minimal gehalten und die Büroflächen optimal genutzt werden können. Kompaktheit bei grösstmöglicher Flexibilität lauten hier die Trümpfe, die letztlich den Ausschlag gaben, dass das Projekt der Markus Schietsch Architekten GmbH aus Zürich aus 18 Eingaben im Wettbewerb als Siegerin hervorging.

 

Im Erdgeschoss befinden sich Büros, Aufenthaltsräume und Sitzungszimmer, im ersten Stock sind die Labore untergebracht. Sämtliche Räume des AVS sind zum Atrium hin verglast und stehen damit visuell in Kontext zueinander. Dank intensiver Zusammenarbeit mit den späteren Nutzern ist es gelungen, eine sinnvolle Struktur des Laborbereichs zu generieren und ein Umfeld zu schaffen, das den spezifischen Anforderungen (Normen, Vorschriften und Sicherheitsbestimmungen insbesondere bezüglich Lufthygiene und Personenschutz) in diesem Fachbereich genügt. Neue Untersuchungsverfahren verlangen eine strikte Trennung einzelner Prozesse, wie sie in den alten Räumlichkeiten nicht mehr gewährleistet war.

 

Eine schlichte, aber nicht minder elegante Wendeltreppe verbindet das Erdgeschoss mit dem ersten Stock. Dabei wird  die aus gekrümmtem Verbundsicherheitsglas und weiss gestrichenem Eschenholz kunstvoll konstruierte Verbindung dank edler Materialisierung kaum nur als Erschliessungselement wahrgenommen, strahlt sie doch  beinahe etwas Skulpturales aus. Das gedrehte Glas-Holz-Element verleiht dem schlichten Bau eine verspielte Note und fügt das Ganze zusammen mit der Galerie – da aus dem gleichen Glas und Holz realisiert – zur Einheit. Eine zweite Treppe befindet sich auf der Westseite des Gebäudes und dient als Fluchtweg.

 

Im zweiten Obergeschoss wird das Atrium durch eine Art Laterne abgeschlossen, durch welche viel Tageslicht in das Gebäudeinnere gelangt. Ein Blick nach oben offenbart je nach Wetter und Uhrzeit das Bild von vorbeiziehenden Wolken, eines blauen Himmels oder Sternenfirmaments. Um diese erhöhte Laterne sind schliesslich die Flächen des zweiten Stocks geordnet, welche dem Kanton als Reserve dienen oder aber an Dritte vermietet werden können. Die Voraussetzungen für eine vom Rest des Hauses völlig unabhängige Nutzung sind jedenfalls gegeben und lassen verschiedene Optionen offen. Im Untergeschoss befinden sich Garderoben, Archiv- und Lageräume, Hausdienst- und Wertstoffräume sowie die Technikzentrale. Das Primärtragwerk bildet ein Betonskelettbau aus acht aussen- und acht innenliegenden Stützen, aussteifenden Erschliessungskernen und Flachdecken aus Ortbeton.

 

Dem kantonalen Energieleitbild entsprechend nutzt das Gebäude Erdwärme mittels Erdsonden-Wärmepumpe und die extensive Begrünung des Daches für die Regenwasserretention. Somit erfüllt der Neubau die Anforderungen des Minergiestandards. Erschlossen wird das neue AVS über die bestehende Zufahrt zur Zugerstrasse.

 

Seinen hohen ästhetischen Anspruch hat das Team um den Zürcher Architekten Markus Schietsch selbstredend auch beim Gebäudekleid eingelöst. So strahlt die hoch wärmegedämmte und mit 3-fach-Isolierverglasung ausgeführte Fassade eine vornehme Eleganz aus. Die vorgehängten schwarzen Glaselemente bilden die unterschiedliche Nutzung der Ebenen ab. Während die drei Geschosse des Gebäudes durch zwei horizontal umlaufende Fugen zwischen den Glaspaneelen ablesbar sind, zeichnen zwei helle, vertikale Bänder die Stellung der Gebäudestützten nach. Augenfällig ist, dass verschiedene Fenstertypen zum Einsatz kommen, was wiederum mit der unterschiedlichen Nutzung der Geschosse als Büro oder Labor zusammenhängt.

Wohlwissend, dass eine Besprechung oder eine Arbeitspause heutzutage nicht zwingend im Sitzungszimmer stattfinden muss, haben die Architekten auch bei der Gestaltung des Aussenraumes an das Personal gedacht. Auf der Rückseite des Gebäudes wurden in Heckennischen attraktive Kleinflächen mit Sitzgelegenheiten geschaffen, wo es sich vortrefflich verweilen lässt. Für die Mittagspause der 35 Mitarbeitenden bietet sich schliesslich der bekieste Vorplatz an, wo ein Ahornbaum Schatten spendet und buntes Gartenmobiliar bereitsteht.