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DER REIZ DER STIFTUNGSARBEIT

 

Die neue Geschäftsleitung der Stiftung Phönix erzählt, welche Schwerpunkte gesetzt werden und welche Herausforderungen anstehen.

 

Herr Felchlin: Sie sind Betriebsökonom und waren nach dem Studium beruflich zehn Jahre lang in der Finanzbranche unterwegs. Dass Sie eines Tages die Geschäftsleitung einer Stiftung übernehmen würden, die in der Sozialpsychiatrie aktiv ist, lag nicht auf der Hand.


Fabian Felchlin: Ich bin tatsächlich branchenfremd und habe mich vor meiner Anstellung bei der Stiftung Phönix nicht mit Sozialpsychiatrie beschäftigt. Allerdings hat es mich schon länger gereizt, bei einer Stiftung zu arbeiten. Meinen Einstieg bei Phönix hatte ich im Mai 2013 als Assistent der damaligen Geschäftsleitung, bestehend aus Yvonne Lüdi und René Burkhalter. Die Idee war, dass ich die beiden in der Administration betriebswirtschaftlich unterstützte, insbesondere in den Bereichen IT und Buchhaltung. Als dann Monate später per Inserat ein neuer Vorsitz für die Geschäftsleitung gesucht wurde, bewarb ich mich. Die Stelle wurde bewusst öffentlich ausgeschrieben. So durchlief ich das übliche Bewerbungsprozedere. Seit Herbst 2018 bin ich nun Vorsitzender der Geschäftsleitung.


Frau Leuenberger: Sie hatten beruflich immer wieder mit psychisch kranken Menschen zu tun, insbesondere im Bereich der Arbeitsintegration, wo Sie diverse Führungsaufgaben wahrnahmen. Wie kamen Sie zu Phönix?


Carole Leuenberger: Ich sah das Inserat, auf welches sich Fabian beworben hat, ebenfalls, und machte mich im Internet über die Stiftung schlau. Als ich auf die Webseite der Stiftung gelangte, war ich jedoch ernüchtert. Der optische Auftritt wirkte auf mich ein wenig verstaubt, und somit war die Sache für mich erledigt. Als dann kurz darauf wieder ein Stelleninserat publiziert wurde – diesmal allerdings nicht für den Vorsitz, sondern für ein Mitglied der Geschäftsleitung – bewarb ich mich trotzdem. Nach vielen Jahren Berufserfahrung in leitenden Funktionen im Bereich der Arbeitsintegration und der Dienstleistungen auf dem Sozialamt strebte ich einen Wechsel an. Bei einer Stiftung zu arbeiten, die operativ tätig ist und nicht bloss Gelder für Projekte verteilt, hat mich schon immer gereizt.

 

Wie organisieren Sie sich beide innerhalb der Geschäftsleitung und wie gestaltet sich die Aufgabenteilung?


Fabian Felchlin: Wir arbeiten beide in einem 80-Prozent-Pensum. Ich bin am Montag abwesend, Carole am Freitag. Zwischendurch haben wir drei Tage, an denen wir beide präsent sind. Das ist ideal. Bei themenübergreifenden Projekten sind wir beide involviert und halten uns gegenseitig auf dem Laufenden. Ansonsten gibt es eine klare Arbeitsteilung. Der Vorsitz der Geschäftsleitung und die Führung des Stabs liegen bei mir, ebenso die Themen Qualitätsmanagement, Sicherheit, Finanzen, IT und Vertragswesen.

 

Carole Leuenberger: Mir obliegt die Führung der Betriebsleitungen und der Kulturgruppe. Ebenso bin ich verantwortlich für Personaladministration, Öffentlichkeitsarbeit und Spendenwesen.

 

Welche Zielsetzungen gibt es, und mit welchen Aufgaben werden Sie sich in der kommenden Zeit schwerpunktmässig beschäftigen?


Fabian Felchlin: Eines unserer Ziele war die Zertifizierung SODK Ost. Diese haben wir bereits im November 2018 umgesetzt. Zudem wurde ein internes Kontrollsystem erarbeitet und implementiert. Die Etablierung eines Aushilfspools mit internen und externen Fachkräften war ebenfalls ein Ziel von uns und ist am Laufen. Eine Herzensangelegenheit war uns die Realisierung eines neuen Corporate Designs. Dieses ist – wie man sieht – ebenfalls auf besten Wegen. Drei weitere grosse Brocken sind die Erstellung eines neuen Personalreglements, die Realisierung von einheitlichen Verträgen für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Einführung eines neuen Mitarbeiterbeurteilungssystems per 1. Januar 2020. Bereits im laufenden Jahr soll das Intranet für die Verbesserung der internen Kommunikation parat sein.


Carole Leuenberger: Weiterhin intensiv beschäftigen wird uns in nächster Zeit auch das Anfang 2017 vom Kanton Zug lancierte Projekt InBeZug. Bei diesem Projekt ist die Stiftung Phönix seit Beginn involviert. Als Mitglied der Begleitgruppe bringen wir unser Know-how und die langjährige Erfahrung im Umgang mit Menschen mit einer psychischen Erkrankung ein. Konkret geht es darum, dass auf kantonaler Ebene eine neue gesetzliche Grundlage geschaffen wird, um das Unterstützungssystem für Menschen mit einer physischen oder psychischen Behinderung zu verbessern. Ein Paradigmenwechsel steht an: weg von der Objektfinanzierung, hin zur Subjektfinanzierung. Gleichzeitig sollen die Selbständigkeit und Eigenverantwortung der Betroffenen gestärkt werden. Nicht zuletzt ist «InBeZug» auch ein wichtiger Beitrag zur Umsetzung der UNO-Behindertenrechtskonvention.

 

Fabian Felchlin: Ein weiteres Angebot, das wir künftig noch mehr fördern möchten, ist das begleitete Wohnen. Bei diesem über das KVG finanzierte Angebot profitieren Betroffene von der ambulanten Spitex. Wir möchten das begleitete Wohnen vor allem auch bei den Ärzten bekannter machen. Denn sie können diesen Dienst verschreiben. Auch in die Öffentlichkeitsarbeit wollen wir investieren, um unseren Bekanntheitsgrad im Kanton Zug und darüber hinaus zu erhöhen. Zwar haben wir eine gute Spendenbasis und generieren – ohne Foundraising – pro Jahr dank treuen und langjährigen Spendern über 100’000 Franken. Künftig wollen wir aber vermehrt auch jüngere Leute ansprechen, allenfalls auch mit publikumswirksamen Veranstaltungen in den Betrieben. In Zukunft werden wir uns zudem am Internationalen Tag der psychischen Gesundheit beteiligen, der jeweils am 10. Oktober stattfindet. Wir müssen diesen Tag konsequent besetzen und nutzen, um mit unseren Angeboten öffentlich besser wahrgenommen zu werden. Unsere Vision ist es, eines Tages so populär zu werden wie beispielsweise eine Zuwebe.


Das klingt sehr ambitioniert, zumal wohl die breite Bevölkerung den Zugang zu Menschen mit einer körperlichen Behinderung leichter findet als zu Menschen mit einer psychischen Behinderung.


Fabian Felchlin Das ist leider so. Es gibt noch immer viele Vorbehalte und Vorurteile. Das merken wir etwa dann, wenn wir im Rahmen des Projekts InBe-Zug Wohnungen für unsere Klienten
suchen. Manche Vermieter reagieren skeptisch, wenn wir sagen, dass diese Wohnungen für Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung sind. Deshalb läuft es wohl darauf hinaus, dass bei denjenigen Mietverträgen, die im Rahmen des Projekts InBeZug zustande kommen, die Stiftung Phönix als Mieterin auftritt.