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KOLLEGEN GUT, ESSEN SEHR GUT, LEHRER OKAY

 

Lion Feller machte und hatte in der Schule immer wieder Ärger. Jetzt geht es plötzlich aufwärts. Im Horbach bereitet er sich auf den Wiedereinstieg in die öffentliche Schule vor.

 

Du besuchst seit dem Sommer 2018 die 6. Klasse in der Schule Horbach. Hast Du Dich gut eingelebt?
Ja. Im Grossen und Ganzen ist es eine gute Schule. Das Essen ist sehr gut. Es gibt oft Fleisch und Nudeln. Beides mag ich. Auch Salat gibt es häufig. Der schmeckt ebenfalls. Positiv ist auch, dass wir das gesamte Schulmaterial erhalten und dieses nicht selber kaufen müssen. Allerdings gibt es auch an der Schule Horbach einen „Haken“.


Und der wäre?
Dass wir während der Unterrichtspausen nicht gamen dürfen. In der öffentlichen Schule dürfen das die Schüler. Sonst fällt mir nichts Negatives ein. Doch, es gibt noch etwas. Das hat allerdings nichts mit der Schule zu tun: Wenn das Auto, das mich auf 8 Uhr aus dem Aargau zur Schule bringt, im Stau stecken bleibt, ist es mühsam.


Wo bist Du vor dem Horbach zur Schule gegangen?
An ganz verschiedenen Orten. Ich fange mal mit dem Kindergarten an: Die beiden Kindergartenjahre habe ich in Deutschland besucht. Danach zog ich mit meiner Mutter in die Schweiz. Hier besuchte ich in Schinznach Bad zuerst die öffentliche Schule. Weil ich da aber zu viel Mist machte, flog ich nach einem Dreivierteljahr raus. Bis eine neue Schule gefunden war, kam ich zur Überbrückung in eine Art Auffangstation, danach ging ich für ein Jahr in eine Therapiestation. Danach kam ich in eine Tagesschule. Dort hatte ich zwar nette Kollegen, aber die Schule war so religiös, fast sektenartig. Man musste an Gott glauben. Das hat mir überhaupt nicht gepasst.


Du sagst, Du hättest viel Mist gemacht. Was heisst das?
Ich hörte nicht auf die Lehrer, schmiss Stifte durchs Schulzimmer und solche Sachen.


Hast Du eine Erklärung dafür?
Das haben mich schon viele Leute gefragt. Aber ich weiss selber nicht, was der Grund war. Ich machte den Klassenclown. Den gibt es ja fast in jeder Klasse.


Haben Dich die vielen Schulwechsel nicht gestresst?
Nein, denn ich finde immer schnell neue Kollegen. Aber für meine Mutter war das manchmal schon mühsam. Sie musste immer für mich kämpfen. Dafür bin ich ihr auch extrem dankbar! Das Gute ist: jetzt steht wieder ein Schulwechsel bevor. Aber diesmal nicht, weil es Probleme gibt, sondern weil ich nach der sechsten Klasse in die öffentliche Schule nach Niederwil wechseln kann.


Gratuliere! Freust Du Dich?
Das schon, aber ich bin auch ein wenig aufgeregt.


Warum?
Weil das eine sehr grosse Schule sein wird, mit mehreren Hundert Schülern. Das kenne ich nicht. Die Schulen, die ich bisher besucht habe, waren eher klein. Auch hier im Horbach sind wir nicht so viele. In meiner Klasse sind wir nur zu acht.


Machst Du immer noch ab und zu den Klassenclown?
Nein. Jedenfalls nicht im Schulzimmer. Wenn wir draussen am Spielen sind, mache ich schon noch ab und zu Blödsinn. Aber nichts Schlimmes. Denn ich habe gemerkt: Wenn ich mich jetzt nicht zusammenreisse, wenn ich mein Benehmen nicht ändere, dann habe ich später ein Problem. Ich bekomme hier sozusagen meine letzte Chance. Darum bereite ich mich jetzt gut auf den Wechsel an die öffentliche Schule vor. Ich erledige beispielsweise die Hausaufgaben selbstständig und besuche zusätzliche Förderstunden in Französisch, weil ich dies für die Sek an der öffentlichen Schule brauche. Zudem setze ich mir jede Woche ein bestimmtes Ziel. Diese Woche lautet es: Ich vermeide Streit.


Schaffst Du das?
Ich denke schon, es ist aber manchmal gar nicht so einfach: Denn einerseits provoziere ich ab und zu gerne. Anderseits lasse ich mich auch von anderen provozieren. Im Skilager beispielsweise habe ich mich oft mit einem Kollegen gestritten. Ich war da sowieso ein wenig schlecht gelaunt, weil wir das Handy die ganze Woche über nur zum Telefonieren, nicht aber zum Gamen nutzen durften. Wir durften nur zu festgelegten Zeiten an einer Konsole spielen. Das fand ich unfair.


Wie sieht es mit den Noten aus, bist Du zufrieden?
Ja. Die Noten waren nie ein Problem und auch nicht der Grund, warum ich so oft die Schulen gewechselt habe.

 

Lieblingsfächer?
Sport und Schwimmen. Ist ja logisch. Mathematik ist auch okay. Deutsch hingegen nervt.


Wieso nervt Deutsch?
Ich sehe einfach nicht ein, warum wir in der Schule Deutsch lernen müssen, obwohl wir alle schon Deutsch können. Ich bin ja sogar noch Deutscher!


Hast Du Berufswünsche?
Früher wollte ich Architekt werden, aber ich glaube, das ist mir zu anstrengend. Schauspieler war auch mal ein Thema, aber da muss man so viel herumreisen. Momentan interessiere ich mich eher für Berufe im Militär. Denn ich mag Waffen; nicht, was sie anrichten, sondern wie sie aussehen. Darum spiele ich auch so gerne das Game „Fortnite“.


Das kenne ich nicht.
Das ist gerade das angesagteste und beliebteste Spiel unter Jugendlichen. Mit meiner Mutter habe ich deshalb leider oft Diskussionen. Sie will nicht, dass ich ständig am Gamen bin.


Wie verbringst Du Deine Freizeit?
Ich game und chatte gerne, bin in der Geräteriege und in der Jungwacht.

 

Angenommen, Du hast einen Kollegen, der Ärger in der Schule hat – würdest Du ihm den Horbach empfehlen?

Ja. Es kommt natürlich ein wenig drauf an, was der Kollege genau für ein Problem hat, aber doch, ich würde die Schule empfehlen. Mir hat sie jedenfalls geholfen. Der Kollegenkreis ist gut, die Lehrer sind so weit auch okay. Ich habe ja nur zwei.

 

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Lion Feller, Jg. 2007 ist in Deutschland geboren und zog mit seiner Mutter im Jahre 2012 in die Schweiz. Er wohnt in Niederwil (AG) und besucht derzeit die sechste Klasse der Schule Horbach. Im Sommer 2019 kann er in die Regelschule wechseln und in seiner Wohngemeinde die Sekundarschule besuchen.