Jahresberichte

 

 

TäTIGKEITSBERICHT INTERNAT HORBACH 2016

 

Im Auftrag der Gemeinnützigen Gesellschaft Zug (GGZ) interviewte ich für den Jahresbericht 2016 der Sonderschule Horbach in Zug den Oberstufenschüler Timo Hirsch. Er erzählte mir, warum er diese Schule besucht und was ihn an Panzern fasziniert.

 

Du besuchst die 9. Klasse im Horbach. Warum eine Sonderschule?
Das hat sich so ergeben. Der Horbach ist jetzt meine fünfte Schule. Die 1. Klasse besuchte in einer normalen Primarschule in Oerlikon. Aber dort wurde ich gehänselt und ich fühlte mich als Aussenseiter. Für die 2. Klasse wechselte ich an die Privatschule Tandem nach Hallau und die 3. bis 7. Klasse absolvierte ich an der Schule Clix in Stäfa. In der 8. Klasse wechselte ich schliesslich an die Tagesklink für Kinder (TKK) der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich und jetzt bin ich hier im Horbach.


Was war der Grund für die vielen Schulwechsel in so kurzer Zeit?
Das hängt mit meiner Gesundheit zusammen. In der dritten Klasse merkte man bei mir, dass ich das ADHS-Syndrom und das Asperger Syndrom habe. Das heisst, ich lasse mich einerseits sehr schnell ablenken, bin manchmal hyperaktiv und verfüge über eine Art fotografisches Gedächtnis. Man muss sich das so vorstellen: Ich kann Dinge sehr gut abspeichern. Ich könnte Ihnen nun ganz genau aufzeigen oder aufzeichnen, wie der Eingang der Clix-Schule oder der TKK ausgesehen hat. Auch wenn Dinge schon länger zurückliegen, habe ich oft eine exakte Erinnerung daran.


Wie gefällt es Dir als Zürcher hier am Zugersee?
Es ist okay. Ich gehe gerne zur Schule und lerne gerne Neues. Viel Spass bereiten mir zum Beispiel Panzerungsberechnungen. Es interessiert mich, was es bedeutet, wenn ein Schuss in einem bestimmten Neigungswinkel, zum Beispiel 60 Grad, auf einen Panzer von einer bestimmten Dicke, zum Beispiel 100 Millimeter, aufprallt. Je nachdem, ob man den Winkel von der Waagrechten oder der Senkrechten misst, braucht man entweder den Cosinus oder den Sinus. Ich weiss hier ein wenig Bescheid, weil ich das Computerspiel „World of Tanks“ spiele. Zudem arbeite ich für die Schule gerade an einem Abschlussprojekt und an einem Vortrag über den Panzer 58 Mutz. Das ist ein Schweizer Panzer, von dem es nur noch ein Exemplar gibt. Dieses befindet sich im Panzermuseum Thun.


Bist Du ein guter Schüler?
Eigentlich schon. Die schlechteste Note, die ich je hatte, war eine 4,5. Die beste Note ist eine 5,5. Im Durchschnitt liege ich momentan bei einer 5,25. Von diesen vielen Schulwechseln hatte ich immer Lücken im Schulstoff. In Mathematik musste ich zum Beispiel einiges aufholen, vor allem beim Thema Gleichungen. Dies habe ich jetzt aber im Griff: E=mc2. Das ist die Relativitätstheorie, also die Formel von Albert Einstein. Das heisst: Energie gleich Masse mal Lichtgeschwindigkeit im Quadrat.


Was gefällt Dir weniger im Horbach?
Das Nachsitzen. Wenn man am Morgen grundlos zu spät kommt, die Hausaufgaben vergessen hat oder den Unterricht stört, muss man am Freitagnachmittag 15 Minuten nachsitzen. Früher gab es keine Woche, in der ich nicht nachsitzen musste. Jetzt geht es ein wenig besser. Aber diese Woche muss ich leider gerade wieder dreimal 15 Minuten nachsitzen. Das nervt natürlich, aber das sind die Regeln.


Musst Du Medikamente nehmen?
Ja, früher nahm ich recht viel Ritalin und Fischöltabletten. Dann nahm ich Concerta und jetzt nehme ich Elvanse. Es geht darum, dass auf diese Weise Botenstoffe ins Gehirn ausgeschüttet werden. Eine der Nebenwirkung ist, dass ich am Mittag nicht viel Appetit habe. Momentan schlucke ich täglich sechs Tabletten.


Hast Du einen grossen Freundeskreis?
Nein, der ist recht klein. Auch weil ich ja in Zürich wohne und in Zug zur Schule gehe. Da ist es schwierig, Freundschaften zu pflegen. Mein bester Kollege ist immer noch der, den ich in der Babygruppe kennenlernte. Er wohnt auch in Zürich und mit ihm spiele ich „War of Tanks“. Wir sind via PC oder Handy über den Discord-Server in Kontakt.


Wie oft siehst Du Deine Familie?
Jeden Tag, da ich ja im Tagesinternat bin. Meine Eltern und meine Schwester wohnen in Zürich. Die Schule ist jeweils um 16 Uhr fertig, am Freitag um 15 Uhr und ich kann nach Hause. Allerdings eben nur dann, wenn ich nicht Nachsitzen muss.


Was machst Du in der Freizeit?
In Zürich gehe ich mit unserem Hund, einem Rhodesian Ridgeback, spazieren. Der ist ein richtiges kleines Kraftpaket, wiegt 35 Kilo und braucht viel Bewegung. Ansonsten lese ich sehr viel, als ich jünger war die Serie „Das magische Baumhaus“ von Mary Pope Osborne. Heute lese ich  eher Fantasy und Thriller, zum Beispiel „Eragon – das Vermächtnis der Drachenreiter“ von Christopher Paolini, „Harry Potter“, „Games of Thrones“, „Der Heckenritter von „Westeros“, „Die Chroniken von Narnia“ von Clive Staples Lewis und die ganze Buchreihe „Percy Jackson“ von Rick Riordan. Wenn mir ein Buch gut gefällt, lese ich es auch zwei- oder dreimal. „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ von David Levithan las ich in einem einzigen Tag. Sport kann ich momentan nicht machen, da ich mir vor ein paar Wochen den Arm gebrochen habe. Wenn ich aber wieder voll belasten darf, fange ich wieder mit Volleyball an.


Wie geht es nach dem Horbach weiter?
Ich werde im Sommer 2017 eine Lehre als Informatiker mit Fachgebiet Applikationen anfangen. Schon jetzt gehe ich jeden zweiten Mittwoch bei meinem künftigen Arbeitgeber ESPAS in Zürich schnuppern und mache dort eine Art Vorlehre.