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MOTIVIERT IN DER REHA

 

Der Pilot Benno Moser kam nach einem Flugzeugabsturz und mehreren Operationen für acht Wochen zur Reha in die Klinik Adelheid. Sein Ziel: Bald wieder biken, langlaufen, skifahren – und fliegen!

 

von Sabine Windlin

 

Sie sind im Mai 2017 als Pilot mit dem Flugzeug abgestürzt. Hatten Sie Pech oder Glück im Unglück?
Glück im Unglück ist, dass ich den Absturz überlebt habe. Das Flugzeug – ein vierplätziger Segelflugschlepper – war komplett zerstört. Der Unfall passierte, als ich auf dem Flughafen in Mollis einen Kollegen hochziehen wollte. Erinnerungen an den Unfall selber habe ich allerdings keine, nur an den Moment, als ich im Universitätsspital in Zürich erwachte. Am Krankenbett stand meine besorgte Familie. Ich selber war noch etwas „beduselt“ und fragte als Erstes, wann ich wieder Skifahren gehen könne.


Dann kann man nicht genau sagen, was am 27. Mai 2017 passiert ist?
Die Untersuchung zum genauen Unfallhergang durch die Unfalluntersuchungsstelle SUST läuft noch. Fest aber steht: Mein Kollege, der Segelflugpilot, hatte beim Start Probleme, seinen Flieger zu stabilisieren und entschied sich zur Landung. Im Glauben darum, das Seil hätte sich von seinem Flieger gelöst, leitet er die Landung ein. Doch wir waren immer noch miteinander verbunden. Mein Kollege reduzierte das Tempo und bremste auch mich; und zwar so stark, dass es schliesslich zum Absturz kam. Am Boden angekommen, war dann das Seil zerrissen und meine Maschine zertrümmert. Mein Kollege kam mit einem Schock davon.

 

In welcher Höhe befanden Sie sich, als die Schwierigkeiten begannen?
Nicht sehr hoch, nur etwa auf zwölf Meter. Ich würde deshalb eher von einem Startunfall und nicht von einem Absturz sprechen.

 

Realisierten Sie, in welch schlechtem gesundheitlichen Zustand Sie sich befanden?
Nicht sofort, es dauerte eine Weile, bis ich mir dessen bewusst wurde. Ich hatte unzählige Brüche, Zerrungen und Quetschungen. Fangen wir mal oben an: Kieferbruch, Rippen gebrochen, auch der Rücken, das Becken, die Hüfte, der rechte Arm, das rechte Knie und der Fuss waren kaputt. Allerdings interessierte mich zuerst gar nicht so sehr, was alles gebrochen war, welche medizinschen Schäden zu beheben waren, vielmehr beschäftigte mich die Frage, wann ich wieder fit bin. Erst nach mehreren Wochen im Spital und sieben Operationen, die durchgeführt werden mussten, wurde mir klar, dass mein Genesungsprozess wohl länger dauern würde. Ich machte mir Gedanken, was dies alles für Folgen auf mein Leben haben könnte, ob es bleibende Schäden geben
würde.

 

Ende Juni 2017 traten Sie dann für acht Wochen in die Klinik Adelheid ein.
Ja, ich kam ins „Sani“, wie wir hier in Ägeri die Klinik Adelheid, das frühere Sanatorium, nennen. Das Sani also kannte ich bisher nur von aussen. Als SUVA-Patient, der ich bin, wäre eigentlich eine Zuweisung in die Rehaklinik der SUVA in Bellikon vorgesehen gewesen. Ich setzte mich aber dafür ein, dass ich nach Unterägeri konnte. Denn erstens war ich dadurch in der Nähe meiner Familie und zweitens hörte ich nur Gutes über die Klinik Adelheid.

 

Wie erlebten Sie die Zeit ? Ist so eine Reha nicht furchtbar langweilig?
Nein, denn ich startete sofort mit der Therapie und hatte volles Programm. Zudem: Ich fühlte mich in der Klinik vom ersten Tag an wohl und gut betreut. Was ich besonders schätzte, war, dass ich immer die gleichen zwei Physiotherapeutinnen hatte. Diese tauschten sich aus, waren gegenseitig bestens informiert und wussten voneinander, wo ich mit meiner Therapie stand und wie es weitergehen sollte. Da ich nah von zu Hause war, hatte ich relativ viel Besuch. Das motivierte und brachte zusätzlich Abwechslung. Zudem hatte ich ein schönes Zimmer und ich genoss die tolle Aussicht auf Unterägeri und den See.

 

Wie geht es Ihnen knapp ein Jahr nach dem Unfall?
Ich habe schon noch ein paar Baustellen. Wenn ich tagsüber viel stehe oder laufe, macht sich das am Abend bemerkbar und ich habe ein wenig Schmerzen. Daran arbeite ich in der ambulanten Reha, die ich ein- bis zweimal pro Woche im Adelheid mache. Wegen des defekten Hüftgelenks und des gebrochenen Knies fehlt mir im rechten Bein noch die Kraft. Dieser Kraftaufbau braucht Zeit.

 

Und Geduld!

Allerdings. Aber ich bin sehr motiviert, nicht nur, weil ich bald wieder Skifahren, Langlaufen und Velofahren will, sondern weil ich auch zu Hause möglichst bald ohne Unterstützung meiner Frau den Alltag meistern möchte. Diese Unabhängigkeit in alltäglichen Dingen wieder zu erlangen, ist mir sehr wichtig. Eine weitere Motivationsquelle ist natürlich der Job. Als „Head Site Management“ bei der Siemens Schweiz AG bin ich bei der Planung eines grossen Bauprojekts als Vertreter der Nutzer eingebunden. Der Wunsch, in der wichtigen Phase der Planung und Umsetzung meine Verantwortung wahrzunehmen, war für mich auch ein Ansporn, nach dem Unfall so schnell wie möglich an den Arbeitsplatz zurückzukehren.

 

Verspüren Sie Lust, eines Tages wieder als Privat- und Schlepppilot in die Luft zu gehen?
Klar, ich bin ja auch immer noch Mitglied im Segelflugclub Glarnerland. Gerade habe ich mich für den „medical check“ angemeldet, den ich jedes Jahr absolvieren muss. Ich hoffe, ich bestehe! Mitte März ist der Test, dann weiss ich mehr. Und heute ist die Generalversammlung der Segelfluggruppe Glarnerland. Da bin ich natürlich auch präsent.