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KONSTRUKTIVE STEAKHOLDER

 

Die Chefredakteurin der Personalzeitung des Kantons Zug stellte mir in meiner Funktion als Kommunikationsbeauftragte der Direktion des Innern folgende Frage: Was ist ein guter Text?

 

von Sabine Windlin

 

Wenn er fliesst und dramaturgisch klug aufgebaut ist. Da gelten für mich die gleichen Massstäbe, egal, ob Zeitungsartikel oder Medienmitteilung. Ich habe mich in den kantonalen Kommunikationsrichtlinien mal schlau gemacht: Eine Medienmitteilung mit Absender Kanton Zug muss für einen durchschnittlich intelligenten 2. Sekschüler verständlich sein. Ich finde das vernünftig und halte mich dran. Und da mein Sohn gerade die zweite Sek besucht, weiss ich, was ich ihm intellektuell zumuten kann und was nicht. Verständlich schreiben, heisst für mich nicht banal schreiben, sondern etwas auf den Punkt bringen, nicht um den heissen Brei reden, die Dinge beim Namen nennen und nicht der politischen Korrektheit wegen wolkig werden.

 

Was meine Privatlektüre angeht, mag ich Texte, die ein wenig irritieren, die eine gewisse Härte haben, so wie jene von Sibylle Berg oder Elfriede Jelinek. Da stockt einem manchmal der Atem. Aber auch der Witz und Biss der amerikanischen bzw. israeli-schen Autorinnen Lionel Shriver und Zeruya Shalev begeistert mich. Leider habe ich die Belletristik seit meinem Job als Kommunikationsbeauftragte eine wenig vernachlässigt und ich lese nun hauptsächlich Texte über das politische Geschehen.


In der Journalistenschule hatte ich mit Freunden einmal einen Phrasendrescher gebastelt. Der sah aus wie eine Karton-Parkuhr mit verschiebbaren Rad. In der Mitte waren drei Felder, in denen durch das Drehen des Rades ein Adjektiv und ein zusammenge-setzter Substantiv angezeigt wurde: z.B. «konzeptionelle-Orientierungs-Phase», «konstruktives Lösungs-Konzept» oder «situative Projekt-Justierung». Damit wollten wir auf ironische und spielerische Weise Worthülsen entlarven.

 

Modewörter gibt es auch in der Verwaltung: ergebnisoffen, lösungsorientiert, selbstkompetent zählen dazu. Auch bestimmte Kombinationen kommen immer wieder vor: alle Gespräche verlaufen «konstruktiv», jede Massnahme ist «nachhaltig» und soll «zeitnah» umgesetzt werden. Auch Euphemismen sind gängig: statt von «Stellenstopp» spricht man von «Personalplafonierung», statt von «Sparprogramm»von «Entlastungsprogramm». Beliebt sind auch die «Feedbackkultur», «Stakeholder», das «kick-off» und «roll-out». Hoch im Kurs ist gerade das «Soundingboard». Früher sagte man Begleit- oder Projektgruppe und es ist nicht einzusehen, weshalb man hier auf einen Anglizismus ausweicht. Übrigens: mit Soundingboard ist in der Musik eine Zentimeter dicke Fichtenholzplatte im Klavier gemeint, die die Schwingungen der Saiten verstärkt: ein Resonanzboden eben.