Interviews

 

 

DAS HAT STIL

 

Edith Straub ist der GGZ auf eine spezielle Weise familiär verbunden. Bettelbriefe, die in ihrem Briefkasten landen, prüft sie kritisch. Der Einzahlungsschein der GZZ aber wird konsequent ausgefüllt.

 

von Sabine Windlin

 

Warum spenden Sie für die GGZ?
Schon als Jugendliche und kleines Mädchen war mir die Gemeinnützige Gesellschaft ein Begriff. Es war allgemein bekannt, dass die Organisation viel Gutes tut und eigentlich selbstverständlich, dass man spendete.  Mein Grossvater väterlicherseits, Jakob Rüttimann, ist sogar Mitbegründer der GGZ. Er war ein prominenter Freisinniger und die FDP eine Art Spiritus Rector für die Gründung der Gemeinnützigen Gesellschaft Zug.

 

Ist Ihre Spende an ein bestimmtes Werk gebunden?
Nein und das ist auch nicht nötig. Denn jeder Teilbereich ist unterstützungswürdig und wichtig, der medizinische genauso wie der kulturelle und soziale. Die Vielgestaltigkeit ist es, was die GGZ auszeichnet. Beeindruckt bin ich insbesondere von der Schule Horbach. Es ist grossartig, was dort für schwierige Kinder und Jugendliche geleistet wird. Man darf diese jungen Menschen keinesfalls im Stich lassen. Hilfsbereitschaft und Verständnis sind wichtig. Das Selbe gilt für Arbeitslose, denen die GGZ zu neuen Perspektiven und Einsätzen verhilft.  Vor allem wenn junge Leute keine Arbeit haben, ist das eine Katastrophe! Ich bin sicher: jeder Mensch hat ein Talent, das irgendwo benötigt wird.

 

Verbindet Sie persönliche Erfahrungen mit der GGZ?
Natürlich! Bereits zweimal war ich nach einer Operation in der Klinik Adelheid zur Kur. Der erste Aufenthalt liegt schon zwanzig Jahre zurück und erfolgte nach einer Hüftoperation. Das zweite Mal erholte ich mich dort vor etwa drei Jahren, nachdem ich unglücklich gestützt bin. Ich fühlte mich bestens aufgehoben und betreut. Die Klink strahlt etwas Humanes aus. Das Nachtessen habe ich immer gemeinsam mit anderen Leuten eingenommen. So kam ich mit  den unterschiedlichsten Leuten ins Gespräch, erlebte viele  nette Abende. In guter Erinnerung ist mir auch der Fitnessraum des Adelheids. Dort begegnete ich sogar einem ehemaligen Zuger Stadtpräsidenten. Ich glaube, irgendwann im Laufe ihres Lebens sind alle Zuger einmalmal zur Rehabilitation im Adelheid. Gerade für ältere Leute ist es wichtig, dass sie nach  einem Spitalaufenthalt eine gute Nachbetreuung erfahren. 

 

Auf Ihrem Tisch liegt das Zuger Neujahrsblatt. Eine wichtige Lektüre?
Zeitweise hatte ich das Magazin abonniert, aber ich muss gestehen, dass ich in den vergangenen Jahren die Lektüre etwas vernachlässigt habe. Ich erhalte so viele Zeitschriften und Unterlagen, dass ich die Post kaum bewältigen kann. Broschüren von Kunsthäusern und Theatern finden sich in meinem Briefkasten genauso wie die Neue Zürcher Zeitung und juristische Fachliteratur, wobei ich letztere nicht mehr lese, sondern bloss überfliege. Mir fehlt schlicht die Zeit. In meinem Alter muss man Prioritäten setzen. Natürlich erhalte ich auch viele Bettelbriefe; pro Tag mindestens fünf.

 

Ärgert Sie das?
Es kommt drauf an. Da ist ja auch viel Gutes dabei, etwa Bitten von den Paraplegikern, Lebensrettern, von Alkoholkranken oder der Berghilfe. Doch alles kann man nicht berücksichtigen. Wenn Anfragen kommen für die Unterstützung von kranken Katzen oder seltenen Störchen, dann ist man bei mir an der falschen Adresse. Besonders ärgerlich ist es, wenn zum Bettelbrief noch ein unnützes Geschenk, zum Beispiel ein billiger Schlüsselanhänger, mitgeschickt wird. Das wirkt bei mir kontraproduktiv. Entweder die Sache ist mir wichtig und ich spende, oder ich spende nicht. Die GGZ verzichtet auf solch billigen Kundenfang. Das finde ich gut. Das hat Stil.

 

Sie haben viele Jahre als Rechtsanwältin gearbeitet.
Das ist richtig, ich war die erste weibliche Rechtsanwältin im Kanton Zug und habe diese Arbeit leidenschaftlich gerne gemacht. Mein Anwaltsexamen absolvierte ich im Jahre 1947. Ich hatte einige spannende Fälle in den unterschiedlichsten Rechtsgebieten. Schon mein Vater, von dem ich die Kanzlei übernehmen konnte, wendete bei seinen Mandaten eine Art sozial verträgliches Tarifsystem an. Von gut betuchten Klienten bezog er ein normales Honorar, für Ärmere stellte er nur eine kleine Rechnung oder erteilte die Rechtsauskunft umsonst. Ich machte dies genauso.

 

Was halten Sie von der Idee des GGZ- Ferienpass?
Ich finde es fantastisch, dass die GGZ mit dem Ferienpass ein Angebot hat, dass berufstätige Eltern entlastet. Dies kommt ja vor allem auch vielen Müttern zu Gute, die nicht so viele Ferien haben wie Schulkinder. Wie gesagt: alle Anstrengungen der GGZ sind wichtig und haben ihre Berechtigung. Es ist auch spannend, wie sich das Profil der GGZ im Laufe der letzten 130 Jahre verändert hat. Eindruck macht mir die lange Lebensdauer der Gesellschaft. Man muss sich vor Augen halten: sie stammt aus dem vorletzten Jahrhundert. Wenn die GGZ keine gute Sache wäre, hatte man sie schon längst zu Grabe getragen.

 

Edith Straub, Jg. 1918, war lange Jahre Rechtsanwältin und ist die Enkelin von GGZ-Mitbegründer Jakob Rüttimann. Sie wohnt in Zug.