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DIES IST EIN MODELL DER ZUKUNFT

 

Jahrelang hat sich die die Zuger Projektmanagerin Susanna Fassbind für eine etablierte Nachbarschaftshilfe engagiert. Nun wurde ihr Wirken mit dem Schweizer Milizpreis 2015 der Swiss Re geehrt.

 

von Sabine Windlin

 

Deutschland hat sie, Obwalden hat sie, Luzern hat sie und bald auch der Kanton Zug: eine koordinierte Nachbarschaftshilfe, die mit Zeitgutschriften vergütet wird. Jüngere Senioren unterstützen ältere Senioren und generell Menschen in Notsituationen bei der Bewältigung des Alltags, damit diese länger in der vertrauten Umgebung leben können. Die dafür aufgewendete Zeit können sich die Helfer gutschreiben lassen und später, wenn nötig, selber in Anspruch nehmen.

 

Die Zuger Projektmanagerin Susanna Fassbind hat sich als Gründungsmitglied und Co-Präsidentin des nationalen Trägervereins KISS jahrelang für dieses Modell stark gemacht und konnte dafür gestern Abend den mit 40'000 Franken dotierten Schweizer Milizpreis 2015 entgegennehmen. Die feierliche Übergabe fand statt im Swiss Re Centre for Global Dialogue in Rüschlikon unter Anwesenheit von Prominenz aus Wirtschaft und Politik. Gesichtet wurden u.a. Ellen Ringier, Nationalrätin Kathy Riklin, Polit-Urgestein Ulrich Bremi, die Zuger Regierungsrätin Manuela Weichelt sowie Vertreter des Migros Genossenschaftsbundes, des Gottlieb Duttweiler Instituts, der Schweizer Bankiervereinigung, von économiesuisse und des Instituts für Unternehmensverantwortung und Nachhaltigkeit der Universität Zürich.


Swiss Re Verwaltungsratspräsident Walter B. Kielholz bezeichnete das von KISS propagierte System als „Modell der Zukunft“ und betonte, dass die geldfreie Altersassistenz auf Grund der demographischen Entwicklung an Bedeutung gewinnen werde, weil sich die demografische Schere zwischen Alt und Jung weiter öffne. Auch aus volkswirtschaftlicher Sicht sei der Ansatz lohnend, weil Institutionen wie die Spitex sowie die Gemeinden entlastet würden.  Der Aufbau einer non-monetären 4. Säule könne individuell auf die Bedürfnisse der Senioren abgestimmt werden. Fassbind und ihr Verein habe mit Herzblut und Weitsicht die Grundlagen und Strukturen geschaffen, damit das System lokal etabliert werden könne. Gesundheitspolitiker und Ständerat Felix Gutzwiller kam in seinem Vortrag insbesondere auf die weiter steigende Lebenserwartung zu sprechen: „Kinder, die im letzten Jahr geboren wurden, haben gute Chancen, 90 Jahre oder älter zu werden.“ Entsprechend werde der Bedarf an Assistenzleistungen steigen; vor allem auch bei Unfall und Krankheit. Zeitgutschriften, so Gutzwiller, seien eine menschenfreundliche Altersvorsorge, insbesondere für Senioren, die kinderlos geblieben seien oder nur ein kleines Kontaktnetz pflegten.


Sodann trat die strahlende Preisgewinnerin Susanna Fassbind aufs Podium und beglückte das Publikum mit einer erfrischenden Rede. Bereits vor zwanzig Jahren habe sie sich erstmals mit der Thematik befasst, jedoch festgestellt, dass die Zeit in der Schweiz dazu noch nicht reif sei. „Aber ich habe nicht locker gelassen, weil ich eine Frau der Taten bin.“ Dass ihr Wirken für die Zeitgutscheine nun mit einem solch angesehenen Preis bedacht werde, komme einer Motivationsspritze gleich und möge den Projekten in den Regionen Rückenwind verleihen. Aufgrund zahlreicher anderer Einsätze in der Freiwilligenarbeit, meinte sie leicht verschmitzt, hätte sie den Preis wohl durchaus verdient. „Es geht noch 18 Jahre, bis ich neunzig Jahre alt bin“, liess Susanna Fassbind das Publikum wissen. „Noch bin ich fit, aber eines Tages werde auch ich dankbar für Unterstützung sein.“ Und: „Je mehr Mitglieder die Genossenschaften haben, desto vielfältiger ist die Hilfspalette. Auch Junge sind willkommen!“


Im Anschluss an die Würdigung genoss die geladene Gästeschar den Apéro riche im Foyer des Swiss Re-Prachtbaus, einem architektonischen Wurf der Sonderklasse, realisiert vom Zürcher Architekturbüro Meili&Peter. Viel Zeit für small-talk blieb der Preisträgerin jedoch nicht, denn noch am selben Abend eilte Fassbind zusammen mit Regierungsrätin Manuela Weichelt in selbiger Angelegenheit nach Cham. Dort fand die gut besuchte Informationsveranstaltung der sich formierenden KISS-Genossenschaft Cham statt, die offiziell am 20. Mai 2015 gegründet wird. Regierungsrätin Weichelt betonte: "Die Förderung der Freiwilligenarbeit ist ein Legislaturziel des Zuger Regierungsrates und mit den Taten von Susanna Fassbind kommt unser Kanton seinem Ziel, einen Schritt voraus zu sein, näher."


Box
Der Swiss Re Milizpreis wurde im Jahr 2000 vom ehemaligen Verwaltungsratspräsidenten von Swiss Re, Ulrich Bremi, ins Leben gerufen und ist mit 40‘000 Franken dotiert. Ausgezeichnet werden Persönlichkeiten, die Freiwilligenarbeit auf qualitativ hohem Niveau und einen positiven Beitrag zur Wertschöpfung leisten. In der Vergangenheit ging der Preis an Personen, die sich u.a. im Breiten- und Behindertensport, im Rettungswesen, in der Integration blinder oder sehbehinderter Menschen engagierten und sich für Kriegsopfer und Waisenkinder einsetzten.