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STIPPVISITE VOM CHRISTKIND

 

Die Aktion €žWeihnachtsbriefkasten€œ erfüllt in der Adventszeit Wünsche von finanziell Benachteiligten. Mindestens so wichtig wie die Geschenke sind die Begegnungen, die dadurch entstehen.

 

von Sabine Windlin

 

Hier steht sie, wie ein Relikt aus alten Zeiten: die grosse Holzbox mit dem blauen Anstrich,  den gelben Sternen und der Anschrift „Weihnachtsbriefkasten“.  Bis vor kurzem wurde die Box tatsächlich noch öffentlich aufgestellt, damit die Passanten  ihre Wunschzettel oder Spenden in den Schlitz werfen konnten. Heute ist der dekorierte Kasten in erster Linie  Symbol für die gleichnamige, 1996 gegründete  Aktion des ZKF.

 

Hinhören. Hinschauen. Handbieten. So lautet das Motto dieser Spendenaktion, die gegenwärtig  von Ursi Gasser, 49, und Maya Huber, 66, koordiniert wird. Unverzichtbar ist die Mitarbeit eines fünfköpfigen Kernteams und das Engagement der 21 Kontaktfrauen aus den Gemeinden, die über ein grosses Beziehungsnetz verfügen und wissen, wo Not herrscht. Mit  Kopf, Herz und Hand sorgen die Frauen dafür, dass diese langjährige Tradition des ZKF erhalten bleibt, und dadurch Menschen, die finanziell nicht auf Rosen gebettet sind, einmal im Jahr einen Herzenswunsch erfüllt wird: ein rosarotes Pyjama, ein  notwendiges Möbelstück, eine Bettdecke, eine paar warme Winterschuhe oder endlich wieder einmal ein Besuch beim Coiffeur.

 

Auch Zuschüsse an nicht gedeckte Therapie- und Zahnarztkosten, Strom- oder Heizkostenabrechnungen werden gewährt. „Man glaubt kaum“, räumt Maya Huber ein, „wie viel verborgenes Leid vorhanden ist.“ Finanziert werden die Wünsche via Spenden von Institutionen, Kirchgemeinden, Einzelpersonen oder Firmen, die auf einen jährlich verschickten Bettelbrief reagieren oder spontan einen Beitrag  auf das entsprechende Konto überweisen. Die  Einnahmen aus einer Modeschau, die alle drei Jahre stattfindet und bei der alle Mitwirkenden auf Gage oder Lohn verzichten, kommen ebenfalls der Aktion zu Gute. 

 

Bereits im Herbst suchen die Kontaktfrauen aus den Gemeinden das Gespräch mit Benachteiligten und bringen einen Gutschein vorbei für Anschaffungen, die dringend nötig sind. Weitere Spendengesuche erreichen den ZKF via Spitex oder Pro Senectute, Pfarrei- oder Sozialämter. Immer wieder gelingt es, die unterschiedlichsten Menschen in die Aktion einzubinden,  etwa durch Benefizveranstaltungen des Zuger Kammerorchesters, der Musikschule Baar, des EVZ oder des Zuger Pianisten Eberhard Rordorf. Schülerinnen des Gymnasiums Menzingen verkauften einmal selbst gebackenen Kuchen und halfen so bei der Finanzierung von Sportlektionen für ein  körperlich behindertes Mädchen. „Dabei geht es  nicht in erster Linie um die Höhe der Geldsumme“, betont Ursi Gasser, „sondern um die Sensibilisierung der Leute für die Situation von Nichtprivilegierten.“ Maya Huber, die sich seit vielen Jahren für den Weihnachtsbriefkasten engagiert, konnte am Anfang gar nicht glauben, dass im Rahmen der Aktion auch Lebensmittelpakte verteilt werden.  „Ich staunte und dachte: Ist das im Kanton Zug wirklich nötig?“

 

Für den Einkauf der Lebensmittel, das Verpacken und Verteilen der Geschenke ist traditionsgemäss der Rotary Club Zug-Zugersee zuständig. Er finanziert die Esswaren – pro Jahr sind es rund 5 Tonnen -  und bietet anschliessend die Leute auf, die alles hübsch verpacken.  Zwei Wochen dauert die ganze Packaktion, bei der die Rotarier und die ZKF-Frauen Hand in Hand arbeiten.  Insgesamt stehen am Ende rund 600 Pakete parat, die anschliessend an über 150 Familien und Alleistehende aus dem ganzen Kanton Zug  verteilt werden; und zwar nicht per Post, sondern bei einem persönlichen Besuch.  Es gibt freiwillige Fahrer, die schon seit vielen Jahren dabei  sind und  sich freuen, bei der Paketübergabe auf ein bekanntes Gesicht zu stossen. Schenkende und Beschenkte kommen ins Gespräch, verweilen gemeinsam bei einer Tasse Tee. Dass die Involvierten trotz dieser Offenheit die nötige Diskretion bewahren, versteht sich von selbst.

 

Die Begegnungen  sind für die Beschenkten mindestens so wertvoll wie der Inhalt der Pakete. Eine alleinstehende Frau aus Unterägeri meldete sich nach der Paketübergabe  telefonisch beim ZKF und gestand unter Tränen, wie sehr sie sich über den Besuch  gefreut habe.  Im Gegenzug erleben die engagierten Helferinnen und Helfer, wie viel Freude Schenken bereitet. Alle Jahre wieder!