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VERWURZELT, WIE EIN BAUM

 

Das K für Katholische Kirche kommt im Kürzel des Zuger Frauenbundes nicht mehr vor. Doch der christliche Glaube ist und bleibt das Fundament, auf dem viele ZKF-Aktivitäten basieren.

 

von Sabine Windlin

 

Kirche? Glaube? Religion? Fehlalarm. Da setzen die meisten Leute, zumal im wirtschaftlich erfolgreichen Kanton Zug, in ihrem Leben andere Prioritäten: berufliches Fortkommen, Spass haben, Geld verdienen, Sprachen  lernen, Sport treiben, die Welt bereisen, in der Politik auftreten und was sonst noch der Horizonterweiterung oder  Egopflege dient oder gerade im „Trend“ ist.

 

„Wer sich innerhalb der Kirche engagiert“, konstatiert  Margarete Stadlin nüchtern, „holt sich in der Öffentlichkeit keine Lorbeeren.“ Doch das ist auch nicht das Ziel der  54-jährigen Zugerin, die zusammen mit ihrer Kollegin Cornelia Mannhart, 47, das im Jahre 2000 gegründete ZKF-Ressort „Frau und Kirche“ führt. Vielmehr besteht dieses  darin, durch die Kontaktpflege mit Exponentinnen von Liturgiegruppen Impulse für  kirchliche, biblische und spirituelle Themen zu geben und generell dafür zu sorgen, dass der kirchliche Geist im Zuger Frauenbund präsent bleibt.  Wie hat die Ordensfrau Ingrid Grave  im Rahmen eines ZKF-Weiterbildungstages so treffend  zu den sich häufenden Kirchenaustritten gesagt? „Auftreten statt Austreten!“

 

Neuerungen wie das Frauenpriestertum oder die Aufhebung des Zölibats würden die beiden  begrüssen. Die römisch-katholische Kirche, so lautet der Tenor auch innerhalb des schweizerischen Dachverbandes, dürfe sich nicht den Zeichen der Zeit verschliessen. „Kraft ihrer Taufe und Firmung sind Christinnen mündig und religiös so kompetent, dass sie auch in schwierigen ethischen Fragen nach bestem Wissen und Gewissen frei entscheiden und ihre Meinung kundtun können und sollen.“ Der ZKF lebt die „Kirche von unten.“

 

Die beiden ZKF-Frauen sind eingespieltes Team. Cornelia Mannhart, gelernte Krankenschwester,  hat sich schon immer für religiöse Themen interessiert und ihre drei Kinder daran teilhaben lassen. Wenn Frauen innerhalb der Kirche aktiv seien, sagt die Hünenbergerin, gebe dies einen ganz besonderen Zusammenhalt; man fühle sich getragen und  finde Orientierung. Ähnlich ist es bei Margarete Stadlin, ausgebildete Logopädin, die  religiös erzogen wurde und als Kind erlebte, wie ihre  Mutter viel Kraft aus dem Glauben schöpfte. Als die gebürtige Voralbergerin  nach Zug kam, war es die Pfarrei , die dafür sorgte, dass sie sich aufgehoben, zu Hause, fühlte.

 

Der christliche Glaube ist Basis für eine Vielzahl von Veranstaltungen, die im Laufe der letzten zehn Jahre vom ZKF organisiert wurden und die dem Publikum die unterschiedlichsten Denkanstösse gaben. Allein die Titel der Vorträge sind ein Hinweis darauf, wie vielseitig und unkonventionell innerhalb des ZKF über Glaubensfragen reflektiert  wird: „Biblische Frauen im heutigen Licht“  lautete etwa ein Referat, „Zen-Meditation - was ist das?", „Im Blick aufs Sterben besser leben“, „Engel – was haben sie mit meinem Leben zu tun?“, „Kunst und Glaube im Wechselspiel“ oder „Mit Händen und Füssen beten – achtsames Bewegen“ . Oft ist bei solchen Referaten  der Übergang zur Philosophie  fliessend. Und genau das ist es, was vielen Frauen gefällt. In guter Erinnerung ist beim ZKF auch eine Wallfahrt mit dem schweizerischen Dachverband nach Flüeli Ranft sowie eine meditative Frühlingswanderung, die man in  der Region Zug unternahm. 

 

Intensiv und ergiebig gestaltet sich die Zusammenarbeit zwischen dem ZKF und mit den Liturgiegruppen, die in den katholischen Kirchgemeinden aktiv sind. Ihnen bietet der ZKF durch regelmässige Treffen in der katechetischen Arbeitsstelle Zug (KAZ) eine Plattform für den Austausch. Gelegentlich werden dazu auch Religionspädagoginnen, Theologinnen oder Diakone eingeladen, die Anregungen geben, wie eine Maiandacht oder ein Kindergottesdienst gestaltet werden könnte. Neulich hat Cornelia Mannhart von ihrer Vorgängerin Rita Bieri einen Ordner mit bewährten  Gottesdiensten erhalten, der anderen Frauen nützlich ist. Denn die Sache mit den Gottesdiensten ist gar nicht so einfach, bestehen diese doch aus bestimmten Gestaltungselementen wie Bibeltexten, Liedern und Fürbitten, die einem Ablauf folgen. Platz für Kreativität und Fantasie bleibt dennoch: auch schon wurde in  Frauengottesdiensten meditiert, getanzt oder gemalt, wurden Sequenzen mit Atemübungen oder Rollenspielen eingebaut.

 

Verzichtet werden aber muss, wenn kein männlicher Priester zugegen ist, auf eine Eucharistiefeier. Deshalb begehen die Frauen manchmal sogenannte Agapefeiern, bei der die Gemeinschaft nach einem Wortgottesdienst noch zum Teilen von Speis und Trank zusammenkommt. Regelmässig suchen die  Ressortfrauen den Kontakt zu Gemeindeleitern, Pastoralassistentinnen und Katechetinnen. Beim Ressort Frau und Kirche ist man überzeugt: Je vertrauter der Mensch mit  religiösem  Wissen ist, desto lebendiger gelingt ihm das Gestalten und  Mitfeiern.

 

Immer wieder fallen im Gespräch die beiden Begriffe „Wertvermittlung“ und  „Werteerhalt“.  Margarete Stadlin zeigt auf eine grosse Zeichnung, die an eine  Wand im ZKF-Büro gepinnt ist, und auf der ein tief in der Erde verwurzelter  Baum mit verästelten Zweigen zu sehen ist. Doch statt Äpfel oder Birnen trägt er Dutzende von Begriffen: Unterstützung, Ehrlichkeit, Zusammenhalt, Vertrauen, Respekt, Rücksichtnahme. „Das sind die Grundwerte, die unter dem Dach des ZKF vereint sind“, meint Margarete Stadlin und erwähnt dann beiläufig, dass sie und ihre Kollegin nun schon über zehn Jahre ehrenamtlich dabei sind. Soll das heissen, dass sie dem ZKF demnächst den Rücken kehren?

 

Die beiden Frauen winken ab. Das positive Feedback aus den Liturgiegruppen, das Eingebettetsein im Team des ZKF  und nicht zuletzt die 100-Jahr-Feier des Schweizerischen Dachverbandes, welcher sie im Sommer 2012 im KKL Luzern beigewohnt haben – dies alles sei sehr motivierend gewesen und habe sie  in ihrem Engagement bestätigt. Christsein ist für Cornelia Mannhart und Margarete Stadlin und für viele andere Frauen des ZKF keine private Sonntagsangelegenheit, sondern ein zentrales Element, das auf vielseitige Art in den Alltag einfliesst und mitten in ihr Leben als Frau, Mutter oder Partnerin gehört.