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NEBULöSE AUSSICHTEN

 

Amt für Wetterprognosen

 

von Sabine Windlin

 

Einmal im Leben darf Thema dieser Kolumne sein, was tagtäglich, weltweit, rund um die Uhr, völker-, milieu-, und geschlechterübergreifend den Diskurs der Menschen bestimmt: Das Wetter. Wettermeldungen und Wettersendungen gehören mit Abstand zu den meistbeachteten Medienbeiträgen, umso erstaunlicher ist es, dass man aus deren Inhalten so häufig nicht schlau wird.

 

Ich jedenfalls. Ich wollte wissen, ob ich die für die kommende Tage geplante Wanderung auf die Rigi in Angriff nehmen kann und warf einen Blick in die Tageszeitung.  Dort erfahre ich zunächst unter dem Stichwort «Allgemeine Lage», dass eine umfangreiche Störungszone mit Zentrum über der Biskaya das Wettergeschehen in der Schweiz bestimmt, andererseits aber das Azorenhoch über dem Atlantik  sehr ausgeprägt ist, so dass zwischen diesen beiden Druckzentren eine kräftige Strömung herrscht, wodurch wiederum Polarluft in Richtung Alpen fliesst. Ähnliches schien wohl das Foto des über dem Golf von Guinea geostationären Satelliten illustrieren zu wollen, dessen Aussage sich mir nicht erschloss.

 

Demoralisiert stellte ich das Radio ein, wo ein Sprecher erklärte, dass aufgrund einer aufkommenden Föhnlage das Wetter wohl allmählich freundlicher werde, im Flachland die Temperaturen aber dennoch unter dem klimatologischen Mittel blieben und – der Jahreszeit entsprechend - die Schneefallgrenze bis 1700 Meter sinken werde. Auf die einschlägige Fernsehsendung «Meteo» verzichtete ich zum Vornherein, weil ich bereits wusste, dass dort der Schwerpunkt der Berichterstattung bekanntlich leider auf das vergangene, und nicht das prognostizierte Wetter gelegt wird. Zerknirscht wählte ich die Nummer 162, wild entschlossen, von der telefonischen Auskunft endlich zu erfahren, ob nun morgen die Sonne scheint oder nicht. Aber auch da: Fehlalarm. Über Windrichtungen und -stärken, Feuchtigkeit, Seewassertemperaturen, Luftdruck und Schadstoffe, Mondaufgang, Sonnenhöchststand und -untergang wurde ich eingehend informiert, nicht aber über das Wetter von morgen.

 

«Findet statt», entschied ich trotzig und packte, mit allen Eventualitäten rechnend, meinen Rucksack wie gewohnt: Sonnencrème, Regenschutz, Windjacke, Faserpelz, Kurzarm-T-shirt. Den Eispickel liess ich diesmal zugunsten des ultimativen Haargels «Drei-Wetter-Taft» zu Hause.