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DER PARTYPLAN

 

Amt für Kindergeburtstage

 

von Sabine Windlin

 

An der Organisation von Kindergeburtstagen lässt sich  sehen, wie gut Mütter organisiert sind. Die einen planen die Feste generalstabsmässig und wissen schon zwei Monate im voraus, welcher Kuchen mit welchem Suckerguss gebacken, welches Geschenk in welchem Papier überreicht, welches Röcklein mit welcher Schlaufe getragen und welche Ballone in welcher Farbe wo aufgehängt werden. Die anderen – zu denen gehöre ich – werden vom Geburtstag ihrer Kinder nachgerade überrascht, grad so, als falle er jedes Jahr auf einen anderen Tag.

 

«Hab ich nicht bald Geburtstag?», fragte Lotte eine Woche vor dem grossen Ereignis und zählte in einem Atemzug alle Gäste auf, die zur Party erscheinen sollen: Max, Eva, Amelie, Louis, Vincent, Hanna, Nelly, Malik, Ruben, Thérèse, Yasmine, Marie.  Das waren mindestens fünf Kinder zuviel. Aber da wir (für Schweizer Verhältnisse) mit der Planung reichlich spät dran waren, nahm ich es gelassen und zählte auf die ausgebuchten Mittwochnachmittage, die die «Freizeit» von Kindergartenkindern prägen. Je kurzfristiger die Einladung, so meine Überlegung, desto mehr Absagen. Ich beschloss, mit der Einladungsoffensive absichtlich noch einen Tag zuzuwarten. Die Gästeliste würde sich automatisch lichten.

 

Mein Plan ging auf: Kam waren die Einladungskarten verschickt, kamen schon die ersten Absagen. Max war in den Ferien, Eva beim Zahnarzt, Amelie, Nelly und Thérèse in der Krippe, Louis im Fussballtraining, Hanna und Marie im Tanzkurs, Ruben bei der Grossmutter und Malik bereits zu einer anderen Party eingeladen. Am Schluss bleiben noch genau zwei Kinder: Yasmine und Vincent. Mist, dachte ich, da wird meine Kleine schon enttäuscht sein, zumal auch die Präsente entsprechend mickrig ausfallen dürften. Mit zwei Gästen kann man ja nicht mal einen ordentlichen Sesseltanz organisieren. Und wer soll den ganzen Kuchen essen?

 

Sofort rief ich meine Geschwister an und bat sie – unter Aufbietung sämtlicher zur Verfügung stehender Cousins und Cousinen – mir aus der Patsche und meiner Tochter zu einem anständigen Fest zu verhelfen. Der Respekt gegenüber meiner Familie gebot es, dass ich sie über den Grund für die späte Einladung aufklärte und meine Geschwister wissen liess, dass sie quasi die zweite Garde – also eine Art Ersatzgäste – bilden. Nichts desto Trotz erhielt ich innert kürzester Zeit fünf Zusagen, womit die Liste wieder auf sieben Teilnehmende anwuchs. Ich war erleichtert und nahm mir für die nächste Party wieder meine alt bewährte Strategie vor: Nichts planen, dann hab ich alles im Griff.